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„Viele Dinge in meinem Leben waren schicksalhaft“ 

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    Redaktion
  • vor 2 Tagen
  • 8 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Stunden

Jessica Schwarz, Schauspielerin und Hotelbetreiberin.
Jessica Schwarz, Schauspielerin und Hotelbetreiberin.


Jessica Schwarz über schicksalhafte Wendungen, Kinderwunsch, Menopause und die Kunst, dem Leben neugierig zu begegnen.

Schauspielerin, Synchronsprecherin, Hotelbetreiberin – Jessica Schwarz hat viele Talente. Vor allem aber ist sie eine Frau, die das Leben in all seinen Facetten annimmt. Im Interview blickt die 48-Jährige zurück auf ihren Weg vom Bravo-Girl zur honorablen Schauspielerin und spricht offen über Themen wie ihren unerfüllten Kinderwunsch, das Älterwerden und die Herausforderungen der Wechseljahre. 

 

Jessica, angeblich hast du schon als kleines Kind davon geträumt, einmal auf einer Titelseite zu sein. Wie fühlt es sich mittlerweile an, wenn du dich auf einem Magazincover siehst? 

Auch wenn es natürlich schon ein paar Mal passiert ist, ist es immer noch ein absurdes Gefühl. Aber ich liebe Magazine! Meine Eltern hatten einen Zeitschriftenladen. Von Garten und Auto über Jugend, Modemagazine und Interior bis zu Magazinen aus dem Ausland und Sexheftchen gab es da alles. Auch Panini-Alben, ich hatte also wahnsinnig gute Hehler-Ware für Schulkameraden. Am meisten gefreut habe ich mich aber immer auf die Samstage, wenn neue Titel aus dem Genre Spuk und Gespenster herauskam, oder die dicken Dagobert Ducks – und später dann natürlich auf die Donnerstage wegen der Bravo! 

 

Und irgendwann hast du gedacht: ‚Jetzt bewerbe ich mich als Bravo Girl‘? 

Mein Vater hat mich dort angemeldet. Ich habe meinen Eltern immer erzählt, dass es jedes Jahr diesen Contest gibt. Also hat er eines Tages, als wir mit einem neuen Auto, das er ausprobieren wollte, unterwegs waren, ganz viele Fotos gemacht und heimlich eingeschickt. Irgendwann kam er dann mit einem Brief zu mir und meinte: ‚Du bist zum Casting eingeladen‘. Und am Ende habe ich tatsächlich gewonnen. Ich weiß noch, wie unfassbar stolz ich damals war.  

 

Du warst damals 15 Jahre alt. Ging es dir nur um die Berühmtheit, auf einem Cover zu sein, oder hattest du schon immer den Wunsch, im Rampenlicht zu stehen und Schauspielerin oder Moderatorin zu werden?  

Das hat sich dann so ergeben. Man merkt ja, irgendwann, wenn man ein gewisses Talent hat. Meine große Schwester hatte schon viele Talente besetzt und als zweites Kind sucht man sich dann seine eigene Nische. Ich war immer die Lustige, die Gesellige – diejenige, die Leute zum Lachen gebracht hat. Von Karneval über Tanzen bis Ballett habe ich alles ausprobiert, was mich auf die Bühne brachte. Ich habe im Laufe meines Lebens oft versucht herauszufinden, woher das kommt, diese Suche nach Aufmerksamkeit, nach Liebe, der Wunsch gesehen zu werden. Ich hatte einfach immer wahnsinnig viel Spaß dabei – auch heute noch. 

 

Du hast mal gesagt, dass du dich immer stark über die Arbeit definiert hast. Ist das bis heute so? 

Das ist definitiv so. Ich freue mich über das, was kommt, was ich drehe oder moderiere. Ich gehe wahnsinnig gerne zur Arbeit und tue unglaublich viel dafür, dass ich einen guten Job mache. Mir bedeutet meine Arbeit sehr viel – aber natürlich definiere ich mich nicht nur darüber. Zum Leben gehört schon ein bisschen mehr dazu. 

 

Du führst seit einigen Jahren auch zwei Hotels: Eine Boutique-Hotel mit deiner Schwester in deiner Heimatstadt und eine Glamping-Unterkunft mit deinem Mann in Portugal. Warum bist du Hotelierin geworden? 

2007 habe ich ein altes Fachwerkhaus in Michelstadt gekauft, direkt gegenüber der Brauerei meiner Eltern. Anfangs habe ich darüber nachgedacht, daraus Wohnungen zu machen, aber das war schnell vom Tisch. Ich bin mit 16 von zuhause weg und habe, wenn ich in Hotels war, oft gedacht: Ich würde das anders machen. Freundlicher, intimer, persönlicher. Mit mehr Liebe zum Detail, so dass man sich wohlfühlt. Ich mag einfach schöne Sachen – und ich habe Spaß daran, das zu teilen. 


„Manchmal weiß ich aber gar nicht so genau, was meine Träume sind.“ 

 

Das Hotel in Michelstadt heißt „Die Träumerei“. Bist du jemand, der seinen eigenen Träumen nachgeht?  

Ich versuche es. Manchmal weiß ich aber gar nicht so genau, was meine Träume sind. Ich habe vielleicht eine vage Idee, dann ergibt sich etwas – und dann greife ich aber auch zu. Ich bezeichne das nicht so gerne als Schicksal, aber tatsächlich waren viele Dinge in meinem Leben schicksalhaft. Was wieder dazu führen kann, dass man Träume hat, sie deswegen forciert – und sie dann wahr werden. Andererseits habe ich auch von einer eigenen Familie geträumt und das ist nicht passiert. 

 

Auf Instagram hast du vor einigen Jahren offen von deiner Fehlgeburt geschrieben. Wie bist du damit umgegangen, dass dieser Traum nicht wahr geworden ist? 

Ich bin von Grund auf – und das ist meiner Familie zu verdanken, die sehr bodenständig ist und das Leben wirklich liebt – sehr positiv. Wenn ich merke, dass Dinge oder Träume nicht funktionieren, werden sie vielleicht kurz zu einem Albtraum für mich, aber ich bin dann meist in der Lage, irgendwann sagen zu können ‚okay, sollte nicht sein, wie mache ich weiter?‘. Das Leben hat noch andere Seiten und die Neugierde bleibt. Natürlich ist Verarbeitung wichtig. Und Gespräche. Ich habe mir in dem Fall auch psychologische Hilfe geholt. Das ist sehr hilfreich, wenn man nicht weiterweiß oder Menschen aus dem nähren Umfeld, die nicht objektiv genug sein können, um die richtigen Fragen zu stellen, damit nicht belasten möchte. Das Großartige an meinem Beruf ist, dass ich mit gutem Beispiel vorangehen kann: Ich kann drüber sprechen – ab einem gewissen Zeitpunkt. Ich weiß, dass ich es nicht muss – aber ich habe mich immer dazu entschieden, in die Offensive zu gehen. Und ich merke, dass dadurch viel Reinigung stattfindet, weil man sich immer weiter reflektiert. 

 

„Frauen reden inzwischen ehrlicher und echter miteinander.“ 

Und trotzdem gehört sicher viel Mut bei bestimmten Themen dazu, den nicht alle aufbringen können? 

Ich finde, dass sich in den letzten Jahren zum Glück einiges getan hat. Immer mehr meiner Kolleginnen sind bereit, über Themen wie eben Kinderwunsch oder auch Menopause zu sprechen. Und dass sie dadurch anderen Leuten Mut machen, indem sie sagen: Uns geht es wie euch, es ist völlig normal. Das hat Dinge auf den Weg gebracht. Frauen reden inzwischen ehrlicher und echter miteinander. 

 

Du hast die Menopause angesprochen. Du bist jetzt 48. Fühlst du dich als Frau, was dieses Thema betrifft, gut aufgeklärt? 

Ich musste schon ein bisschen suchen, finde aber, dass es auch da vorangeht. Dass sich Frauen häufiger und offener darüber austauschen. Wenn ich am Set einen Hot Flush bekomme, dann sage ich das. Insgesamt komme ich da im Moment noch ganz gut durch. Gewichtszunahme ist ein Thema. Für einen Film musste ich gerade wieder abnehmen, was nicht einfach war. Ich habe auch bei Kolleginnen gesehen, dass dieser Brain Fog bei zu viel Text zu einem Durcheinander führte, was nicht respektiert wurde. Gerade am Arbeitsplatz muss mit diesem Thema aber respektvoll umgegangen werden. Deswegen spreche ich jetzt auch darüber. Es kann nicht genug Aufklärung geben.  

 

Ist Alter per se etwas, worüber du dir Gedanken machst? 

Ja, natürlich. Auch ich habe Angst vorm Gehen. Ich habe dieses Jahr eine Freundin verloren, die so alt war wie ich. Das hält dazu an, noch mehr auf Vorsorge zu achten, weil man in dem Alter noch nicht damit rechnet. So etwas beschäftigt mich schon. Und es ärgert mich beispielsweise auch, dass einem die Haarfarbe „genommen“ wird. Was soll das? 

 

Du hast deinen Lebensmittelpunkt vor fünf Jahren nach Portugal verlegt. Warum? 

Ich habe vorher knapp zehn Jahre in Wien gelebt. Als ich dann nach Berlin gekommen bin, habe ich gemerkt, dass die Stadt sich natürlich weiterentwickelt hat und irgendwie fühlte ich mich fehl am Platz. Mein Mann und ich sind dann nach Portugal gereist, wo sein Vater seit über 35 Jahren ein Haus hat. Ich bin immer auf der Suche nach besonderen Hotels und habe für uns diese Glamping-Unterkunft gefunden. Als wir mit den Besitzern ins Gespräch kamen, meinten sie, dass sie diese verkaufen möchten. Das ist das, was ich meinte: Diese schicksalhaften Päckchen, über die man entweder drübersteigt oder sie aufhebt und mitnimmt. Und wir haben uns entschieden, es aufzuheben. Mein Mann brauchte auch eine Veränderung, also haben wir gesagt: ‚Portugal, warum nicht?‘. 

 

„Ich bin immer neugierig darauf, was das Leben noch zu bieten hat.“ 

Du wirkst einerseits so verwurzelt mit deiner Heimat, andererseits so weltoffen. Als hättest du zwei Zuhause. 

Mein Sternzeichen ist Stier und man sagt immer, dass Stiere heimatliebend sind. Aber was viele vergessen: Der Stier braucht nur eine leckere, grüne Wiese und dann ist er sofort Zuhause. Deswegen kann ich sehr schnell woanders Wurzeln schlagen – so lange ich meine Liebsten um mich herumhabe. Ob wir für immer in Portugal bleiben oder wohin es uns in den nächsten Jahren vielleicht noch verschlägt, weiß ich nicht. Ich bin immer neugierig, was das Leben noch zu bieten hat.  

 

Was gefällt dir an Portugal besonders? 

So viel! Die Wärme, der blaue Himmel, die Luft, die Menschen, das Essen. Aber es gibt auch Dinge, die mir fehlen. Die Kultur, meine Freunde. Echte Verbindungen sind nicht leicht zu schaffen, weil wir ein bisschen außerhalb auf dem Land leben, und auch schwer zu pflegen, weil ich durch meinen Beruf so oft weg bin. Aber dieses Jahr war sehr schön und wir gucken mal, was das Nächste bringt. 

 

Wenn du Zuhause bist, wie packst du dann mit an? Bringst du morgens den Orangensaft an den Tisch, beziehst du die Betten? 

Alles, was zum Hotelier-Leben dazugehört – vom Frühstück über Bademäntel waschen, Check-In, den Leuten Tipps für die Umgebung geben, aufmachen, wenn sie sich nachts aussperren. Im ersten Jahr haben wir abends auch noch gekocht, aber das wurde einfach zu viel, weil wir die Unterkunft zu zweit mit einer Hilfe betreiben. Am Ende der Saison sind wir echt immer kaputt. Aber ich liebe es, Gäste zu haben. 

 

Könntest du dir vorstellen, die Kamera dauerhaft gegen das Hotel zu tauschen? 

Nein, dafür liebe ich die Schauspielerei zu sehr. Und ich bin es auch einfach gewohnt, immer unterwegs zu sein. Früher wurde ich nach zehn Tagen am gleichen Ort schon nervös, heute halte ich es auch mal drei oder vier Wochen aus. Aber wenn ich lange nur im Hotel bin, merke ich, dass mir die kreativen Ansätze fehlen. Das Gute ist ja, dass beim Film alle Altersstufen gebraucht werden, auch Omas. Von daher hoffe ich, dass ich noch sehr lange drehen kann. 

 

Ende des Jahres läuft in der ARD die Serie „Schwarzes Gold“, die vom Ölrausch in der Lüneburger Heide handelt. Was hat dich an dem Projekt gereizt? 

Ich muss gestehen, dass ich von dem Ölrausch vorher noch nie gehört hatte. Im ersten Moment klingt das wie ausgedacht. Während der Dreharbeiten hatten wir einige Komparsen, deren Großeltern tatsächlich auf den Ölfeldern gearbeitet haben. Historisch gesehen ein wirklich interessantes Thema und noch dazu geht es in der Serie um starke Frauen, die sich durch Verluste zusammentun und gemeinsam Power entwickeln. Frauen haben schon immer die Arme hochgekrempelt und gemacht! 

 

Aktuell drehst du den zweiten Teil von „Das perfekte Geheimnis“: „Der perfekte Urlaub“ kommt im Oktober 2026 in die Kinos. Was kannst du schon verraten? 

Nicht viel (lacht). Wir drehen in einer Finka auf Mallorca. Das alte Ensemble ist wieder vereint, es sind aber auch neue Figuren mit dabei, die das Ganze noch spannender machen. Tatsächlich wird auch hier die Stärke der Frauen deutlich mehr in den Vordergrund gestellt. Und es sind wieder sehr lustige Szenen dabei, also man darf sich auf den guten Bora-Dagtekin-Humor freuen! 

 

Letztes Jahr hast du auch bei „The Masked Singer“ mitgemacht. Gibt es etwas, das noch auf deiner Bucketlist steht? 

Ich möchte einfach gesund bleiben, damit ich noch viel erleben kann. Ich war noch nie jemand, der Projekte proaktiv angegangen ist oder Regisseur:innen angeschrieben hat. Klar hat man Dinge im Kopf, streut das dann mal und vielleicht werden Dinge dann greifbar. Aber im Moment gibt es nichts, dem ich hinterherträume. Ich hatte ein tolles Jahr mit vielen tollen Projekten und bin gerade sehr glücklich – abgesehen von dem, was um uns herum in der Welt los ist. Auf Instagram zeige ich das nicht so sehr, weil ich oft nicht die richtigen Worte finde, aber mein Interesse für Politik und soziale Themen ist groß und das ist etwas, wofür ich in Zukunft gerne mehr Zeit hätte. 


 

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Zur Person 

Jessica Schwarz, geboren 1977 in Erbach im Odenwald, wurde als Bravo-Girl entdeckt und startete ihre Karriere als VIVA-Moderatorin. Heute zählt sie zu den profiliertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Neben Film und Fernsehen betreibt sie Hotels in Hessen und Portugal. 



 

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„Schwarzes Gold“ 

Die sechsteilige Serie erzählt vom vergessenen Ölrausch in der Lüneburger Heide um 1900. Die junge Bauerntochter Johanna Lambert (Harriet Herbig-Matten) erhebt sich gegen Ungerechtigkeiten, kämpft um ihre große Liebe und gegen den skrupellosen Großbauern Wilhelm Pape. (ab 29. Dezember im Ersten, ab 22. Dezember in der ARD-Mediathek) 



Fotos: Elena Zaucke

Interview: Nadine Wenzlick

 

 

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